Ein Morgen voller Aufbruch
Der Himmel öffnet sich.
Ich stehe am Deck eines Kreuzfahrtschiffes, das langsam den Hafen verlässt. Salz liegt in der Luft, das Wasser glitzert im frühen Licht, und in mir regt sich dieses leise Ziehen – Sehnsucht.
Manchmal weiß ich gar nicht, dann seh ich mich. Nur dass da etwas in Bewegung kommt.
bedeutet Reisen für mich: die Welt riechen, schmecken, hören, spüren – und dabei mich selbst wiederfinden. Ich nehme Notizbuch und Stift. Diese Fahrt soll anders werden. Keine Liste von Sehenswürdigkeiten, sondern eine Schreibreise. Eine Begegnung mit Orten, die etwas in mir berühren.
Sehnsucht – wenn Bewegung im Inneren beginnt
Ich habe gelernt: Sehnsucht ist nicht das Fehlen, sondern das Rufen. Sie ruft nach Weite, nach Tiefe, nach Luft zwischen Terminen und Gedanken. Mit jedem Tag auf See löst sich ein bisschen von dem Druck, immer zu müssen, immer zu wissen. Das Meer leert und füllt mich gleichzeitig. Seine Bewegung wird zum Spiegel meines eigenen Rhythmus – mal ruhig, mal wild, immer ehrlich.
Und irgendwann, mitten auf einer sanften Welle, begreife ich:
Diese Reise ist kein Urlaub, sie ist ein Zyklus.
Licht, Dunkel, Freiraum – nichts davon existierte getrennt.
Aussicht bedeutet Einsicht
Festung Brimstone Hill
Die Sonne über der Insel St. Kitts ist anders – sie brennt nicht, sie umarmt.
Ich steige die letzten Stufen zur Festung Brimstone Hill hinauf, einem UNESCO-Weltkulturerbe mit Blick auf den Atlantik. Unter mir schimmert das Karibische Meer in Blau- und Grüntönen, die keinen Filter braucht. Oben angekommen stehe ich still. Der Wind trägt die Spuren vergangener Jahrhunderte, das Salz legt sich wie Erinnerung auf meine Lippen. Hier verschmilzt Geschichte mit Gegenwart, Stein mit Himmel.
Gut zu wissen über Festung Brimstone Hill:
Die Festung liegt auf einem erloschenen Vulkan und gilt als „Gibraltar der Karibik“. Sie wurde im 17. Jahrhundert von Briten und versklavten Afrikanern erbaut – Symbol für Stärke und Schmerz gleichermaßen. Heute bietet sie den wohl schönsten Panorama-Blick der Kleinen Antillen: über Meer, Regenwald, Zuckerfelder und Nachbarinseln. Das Licht wechselte hier im Takt zwischen Gold und Silber. Ein Ort, an dem Mauern nicht trennen, sondern verbinden.
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Ich lege die Hand auf das warme Gestein.
„Auch Mauern kennen Freiheit, wenn sie den Blick nicht blockieren.“
Dieses Gefühl nehme ich mit – in jeder Stadt, jedem Gespräch, jeder Seite meines Notizbuchs.


Schloss Hohenschwangau
Ich sitze unterhalb der gelben Mauern von Schloss Hohenschwangau, die im Licht der Nachmittagssonne glühen. Der Alpsee liegt still, der Himmel klar – nur das Rauschen des Windes durch die Bäume begleitet mich. Von hier oben scheint die Welt geordnet. Und gleichzeitig völlig offen. Vielleicht liegt genau darin die Magie dieses Ortes: Zwischen Geschichte und Gegenwart entsteht jener Blick, den man nicht nur sieht, sondern fühlt.
Ich schreibe: „Manchmal ist Aussicht nur eine Form von Klarheit. Nicht außen, sondern innen.“
Warum sich ein Besuch in Schloss Hohenschwangau lohnt:
Das Schloss thront malerisch zwischen dem Alpsee und Neuschwanstein, umgeben von Wäldern und Gipfeln. Goldgelb und verträumt erzählt es vom romantischen Bayern vergangener Jahrhunderte. Jedes Fenster öffnet einen anderen Blick auf Licht und Landschaft. Der See spiegelt die Berge wie eine Erinnerung, die nicht vergeht. Und wer hier verweilt, entdeckt: Ausblick ist immer auch Rückblick – auf sich selbst.
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Gedeons Eck, Boppard am Rhein
Ein paar Wochen später stehe ich am Gedeons Eck oberhalb von Boppard. Vor mir liegt der Rhein, der sich in einer weiten Schleife durch das Tal zieht. Der Wind schmeckt nach Erde, Felsen und Reben. Hier oben wird mir bewusst, dass Aussicht nicht immer Weite bedeutet – manchmal ist sie Tiefe.
Ich beobachte, wie das Wasser sich bewegt, ohne zu zögern. Der Rhein weiß um seinen Weg, auch wenn er ihn nicht sieht. Bei einem Kaffee auf der Aussichtsterrasse schreibe ich weiter: „Mein innerer Fluss kennt die Richtung. Ich muss nur aufhören, ihn aufzuhalten.“
Reisefakten im Überblick: Gedeons Eck, Boppard
Von Gedeons Eck blickt man auf die beeindruckende Rheinschleife – ein Naturwunder aus Grün, Blau und Geschichte. Weinberge leuchten in der Sonne, Schiffe ziehen ruhig vorüber. Die Stadt Boppard am Fuß des Hangs ist charmant, lebendig, voller Kultur. Morgens liegt Nebel über dem Wasser, abends glüht die Landschaft in Gold. Wer hier steht, spürt: Ruhe ist kein Stillstand – sie ist Klarheit in Bewegung.
Baumwipfelpfad Bayerischer Wald
Zurück in Bayern, Wochen später.
Ich gehe in die Höhe des Baumwipfelpfad in Neuschönau hinauf.
Holz unter meinen Füßen, Vogelstimmen über mir, die Luft erfüllt vom Duft nach Harz und Licht.
Mit jedem Schritt nach oben verändert sich mein Blick. Die Menschen am Boden werden kleiner, die Gedanken leichter. Oben, auf 40 Metern Höhe, sehe ich nichts als Wald, Himmel und Hoffnung.
Warum sich ein Besuch am Baumwipfelpfad lohnt:
Er ist einer der längsten und spektakulärsten Baumwipfelpfade Europas, rund 1,3 Kilometer lang. Der spiralförmige Aussichtsturm bietet freie Sicht über das Blättermeer bis zu den Alpen. Architektur und Natur verschmelzen hier zu einem Erlebnis der Stille. Der Pfad ist barrierefrei und lädt zum bewussten Gehen und Träumen ein. Zwischen Licht und Schatten entsteht ein Gefühl von Zeitlosigkeit – wie ein tiefes Einatmen.
Ich lehne mich ans Geländer, schließe die Augen.
Der Wind bewegt die Baumkronen, und es klingt, als würde der Wald atmen.
Ich schreibe: „Manchmal besteht Aussicht nur darin, noch zu bleiben.“
Schreibreise – mein innerer Kurs
Ich bin auf einer Kreuzfahrt, aber die Bewegung findet in mir statt.
Schreiben ist geworden, was das Meer für den Kapitän ist – Orientierung, Raum, Vertrauen.
Jede Reise markiert eine neue Etappe:
- Inspiration und Aufbruch – Worte wie Wellen.
- Klarheit im Licht – Strukturen, Planung, Richtung.
- Zweifel im Dunkel – Momente des Rückzugs.
- Freiraum – der leise Punkt, an dem Neues wachsen darf.
Ich schreibe über das, was bleibt, wenn der Lärm der Welt verklinget: Augenblicke, in denen ich mich selbst wieder spüre. Freiraum ist für mich kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Er entsteht zwischen zwei Terminen, zwei Atemzügen, zwei Absätzen.
Er ist der Ort, an dem Schreiben wieder werden darf, nicht müssen.
Rückkehr – wo Reisen in Stille mündet
Wenn ich an diese Route zurückdenke – von Bayern bis in die Karibik –, dann bleibt kein Gedanke an Entfernung. Was bleibt, ist Nähe – zu allem, was mich wirklich berührt.
Licht steht für Bewusstsein.
Dunkel für Vertrauen.
Freiraum für den Mut, beides zu lassen.
Jeder Ort, jede Aussicht, jedes Blatt im Wind hat mir dasselbe gezeigt:
Das Leben bewegt sich in Zyklen – und in jedem Zyklus darf ich neu beginnen.
Ich lege mein Notizbuch zur Seite. Das Meer wird stiller. Ein neuer Tag kündigt sich an – voller Schreiben, Spüren, Licht und ganz viel Raum.
Lust bekommen, selbst aufzubrechen?
Vielleicht beginnt deine nächste Reise nicht in einem Hafen.
Vielleicht beginnt sie in deinem Kalender – dort, wo du endlich Freiraum einträgst.
Weil jede Sehnsucht ein Ziel hat.
Manchmal wartet es genau dort, wo du noch wirst und beginnst zu schreiben.
